Florida und Fliegen
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Daytona Beach - Events

Jedes Jahr aufs Neue heißt es für Daytona Beach im Februar: Let´s get ready to roll. Denn dann beginnen für das kleine Städtchen belebte und vor allem laute Wochen – etwa bis Anfang April.

Termine hier

Speedweek

Den Auftakt bildet die Speedweek. Stock Car Racing wurde in den 1930ern geboren, als das Auto in den ländlichen Regionen des Südens endgültig das Pferd ersetzte und neue Horizonte eröffnete. Damals, zur Zeit der Prohibition, hatten die "liquor runners" ihre Wagen auffrisiert, um der Polizei bei ihrem unerlaubten Handel mit selbstgebranntem Schnaps entwischen zu können. Im Laufe der Zeit wurden diese Wettrennen legitimiert und die Begeisterung war entfacht. 1947 wurde NASCAR, die "National Association of Stock Car Auto Racing", gegründet, die einheitliche Regeln aufstellte und diese bis heute überwacht. Der Daytona International Speedway ist wohl die mit Abstand bekannteste und berühmteste NASCAR Strecke. Einmal das Daytona 500 zu gewinnen ist Traum eines jeden Stockcar Fahrers und zählt fast so viel, wie ein Sieg in der Meisterschaft. 

Das erste Daytona 500 wurde 1959 gefahren und sah Lee Petty als Sieger. Mittlerweile hat Stock Car Racing in USA eine riesige Fangemeinde gewonnen und die großen Rennen ziehen über 100.000 Zuschauer in ihren Bann. Der Daytona International Speedway ist ein Trioval und hat eine Streckenlänge von 2,500 Meilen (4,023 km), der Komplex fasst 167000 Zuschauer. In einem Atemzug mit der Strecke wird wahrscheinlich immer Dale Earnhardt genannt werden, dem es bis 1998 nicht gelang, das "Great American Race" zu gewinnen, obwohl er beim Firecracker 400 im Sommer schon so oft siegreich war und auch beim Daytona 500 oft in Führung lag. Doch Unfälle und Reifen- oder Motorschäden zerstörten zu oft seine Siegträume, bis er 1998 endlich in die Victory Lane fahren konnte. Im Jahr 2001 verlor er auf dieser Strecke auf tragische Art und Weise sein Leben beim Daytona 500, so dass die Rennen wohl nie mehr so sein werden wie bisher.

Die in den ersten beiden Februarwochen stattfindende Speedweek ist vergleichbar mit der Verrücktheit bei Formel1-Rennen in Deutschland, wenn zum Beispiel der Hockenheimring ganz im „Schumi-Fieber“ rot getüncht ist. Den krönenden Abschluss am letzten Tag bildet immer das legendäre Daytona 500 NASCAR-Rennen.

Daytona USAAußerhalb der Rennen ist ein Besuch von Daytona USA interessant. Das Gebäude liegt vor dem Speedway und gilt als eine der weltweit besten Ausstellungen zum Automobilrennsport und bietet nicht nur Wissenswertes zur Geschichte der Rennbahn und zu NASCAR, sondern auch interaktive Videorennen, Filme, Demonstrationen sowie Originalboliden. Eine Reihe interaktiver Spiele unterhält alle Altersgruppen. Besucher können sich im Reifenwechsel in einem Pit-Stop-Wettbewerb üben, einen Rennwagen entwickeln und testen und am Simulator Rennen fahren. Eine 30-minütige Tour führt zur Rennstrecke, den Abschluss bilden ein Pit Shop Souvenirladen und die 4th Turn Grill Snackbar.

Bikeweek

BikesKaum ist der Gestank von Benzin aus der Luft verschwunden, dann halten bereits die nächsten Freunde der motorisierten Fortbewegungsmittel Einzug: Ab der ersten Märzwoche heißt es für 10 Tage die Bikeweek zu feiern. Zu dem Motorradspektakel, das sowohl in der Stadt selbst, als auch auf dem Speedway stattfindet, kommen Tausende Biker und noch mehr Besucher. Es ist ein Volksfest für die ganze Familie und auch für Nicht-Motorradfahrer gibt es allerhand zu bestaunen. Tag und Nacht ist das dumpfe Motorengedröhne der Harley Davidsons zu hören, die gut 90 Prozent der Motorräder ausmachen. Jedes Bike ist ein Einzelstück, von seinem Besitzer liebevoll mit chromblitzenden Teilen ergänzt und phantasievoll in Airbrushtechnik verziert.

Bereits seit 1904 kamen Motorradfahrer nach Daytona, es wurde aber erst 1937 zum eigentlichen Mekka mit dem Daytona 200 Rennen und der ersten Bikeweek. Der erste Biker, der sich einen Namen machte, war Glenn H. Curtiss, ein Mechaniker und Erfinder aus New York. Er nahm 1904 am Winter Speed Carnival mit einem Fahrrad teil, an das in der Mitte ein kleiner Motor geschweißt war. Zu aller Überraschung erreichte dieses Gefährt 60 MPH, die erste Meile-pro-Minute, die offiziell für ein Motorrad notiert wurde. Er kam 1907 mit einem größeren und schnelleren Motorrad mit 8-Zylinder-Motor zurück und wurde bei 136 MPH abgestoppt, zu dieser Zeit das schnellste Fahrzeug auf Rädern. Für Piloten interessant: 1908 trat Curtiss in die noch junge Experimental Aircraft Association (EAA) ein, die sich mit dem Bau von Flugzeugen befasste. Im selben Jahr gewann ein Flugzeug der EAA, die "June Bug", angetrieben von einem Curtiss-Motor und gesteuert von Glenn H. Curtiss selbst, die Scientific American Trophy für den ersten Flug über eine Distanz von einem Kilometer. 1909 gewann Curtiss in Reims den Gordon Bennett Cup mit einer Geschwindigkeit von 46,5 MPH. Im selben Jahr wurde das erste Privatflugzeug aus Curtiss' Fertigung verkauft, er war der erste Flugzeugfabrikant. Auch nach seinem Tod im Jahr 1930 blieben Curtiss-Flugzeuge noch lange ein Begriff, wie z. B. die C-46 Commando oder die P-40 Warhawk.

Als 1937 zum erstenmal das Daytona 200 - Rennen am Strand stattfand, wurde Daytona Beach jedoch richtig zum Mekka der Biker. Die ersten Bikeweek-Teilnehmer waren die Rennfahrer selbst. Sie trugen lederne Kleidung und lederverkleidete Sturzhelme aus Kapok, einer Faser aus den Haaren aus dem Inneren der Kapselfrucht des Kapokbaumes, sie wurden Teapot genannt. Die Rennen wurden bis 1961 auf dem Strand und auf der A1A abgehalten. Der 4,1 Meilen-Kurs verlief nahe vom Ponce Leon Inlet Leuchtturm nach Süden zu. Es gab keine Zäune zwischen der Rennstrecke und den Zuschauern und die Rennfahrer mussten manchmal richtig um die Zuschauer herumfahren.

Durch die zunehmende Bebauung und Entwicklung der Strandzone mussten die Rennen 1959 schließlich vom Strand weg auf den neu errichteten Daytona International Speedway verlegt werden. Die ersten Biker werkelten am Vormittag an ihren Maschinen, fuhren am Nachmittag Rennen und machten am Abend die Main Street zur einzigen Party, die Mardi-Gras-Atmosphäre zog bald auch Nichtbiker an. Seit den frühen 60ern nahmen die Teilnehmer so sehr zu, dass die vorhandenen Motels nicht ausreichten und immer mehr Einwohner die Biker in ihre privaten Häuser aufnahmen.

BikerVon den dreißiger Jahren bis zu den Fünfzigern galt Motorradfahren zwar als ein waghalsiger Sport, aber sein Renommee war nicht schlecht. Kurz nach dem 2. Weltkrieg wurde die erste Outlaw-Motorradgang, die Hells Angels gegründet. 1954 charakterisierte der Marlon Brando Film "The Wild One" das wilde Biker-Image für die nächsten drei Jahrzehnte. Dieses Bild war katastrophal für das Ansehen des Motorradfahrens und der Biker und erreichte seinen Höhepunkt in den 60ern durch Filme wie "Wild Angels" mit Peter Fonda und Nancy Sinatra oder Easy Rider mit Peter Fonda und Jack Nicholson. Heute verblasst dieses negative Bild langsam, die Leute realisieren, dass nicht alle Motorradgruppen Outlaw-Gangs sind. In den achtziger Jahren überwachte die Polizei verstärkt die wichtigsten Motorradgangs und nahm Dutzende von Mitgliedern fest. Prominente wie der Milliardär Malcolm Forbes und der Komiker Jay Leno besserten das Image auf.

Mann in ChapsSeit den achtziger Jahren drängen sich die Massen der Möchtegern-Biker in Daytona zur Bikeweek, es kommen 400.000 bis 500.000 Besucher aller Herren Länder. Main Street und die anderen Straßen zum Strand sind ein einziger Stau. Die Kaufleute sagen, dass die Bikeweek-Besucher mehr Geld ausgeben als alle anderen Touristen im Ort. Sie fragen nie nach dem Preis, das Geld sitzt locker in dieser Woche. Der durchschnittliche US-Biker lässt sich das Event gut 2.000 USD kosten. Was natürlich auch auf die vierfach erhöhten Hotelkosten zurückzuführen ist. Schon ein Jahr vorher werden die Zimmer gebucht.

Ca. 200.000 Gallonen Bier laufen jedes Jahr die Kehlen runter. Da haben die netten Bedienungen (meist sehr leichtbekleidete junge, hübsche Mädels - eine Augenweide für jeden Mann) doch schon allerhand zu tun. So sind die bekanntesten Saloons, wie z.B. der Boot Hill Saloon, Froggy´s Saloon, Jackson Hole Saloon und natürlich auch all die anderen ungenannten Kneipen und Bars stets überfüllt, die ganze Stadt ist eine einzige Party. Interessant sind die Neuvorstellungen von Produkten der Motorradfirmen, Custombike-Ausstellungen und all die Bike-Wettbewerbe mit Preisverleihung für diverse Kategorien. Mädels in knappen Shorts und Bikinioberteil bieten sich zum Waschen der Motorräder an. Florida hat übrigens ein recht originelles Gesetz zum Tragen eines Schutzhelms. Der Helm ist grundsätzlich vorgeschrieben, wenn man aber mindestens 21 Jahre alt ist und eine Krankenversicherung nachweist, die mindestens 10.000 USD an Kosten trägt, die durch Motorradunfälle entstehen, dann kann der Helm zu Hause bleiben. Eine Schutzbrille ist dagegen immer Pflicht.

Girls in ChapsAuch abends und nachts wird den Besuchern noch so allerhand geboten. Fast in jedem Hotel finden Wettbewerbe zur Miss Bikini oder der Wet-T-Shirt-Contest statt. Den Abschluss bildet die große Parade am letzten Sonntag, für den sich jeder in seine beste Lederkluft begibt. Die Aufstellung ist von 8.30 - 9.30 Uhr an der Belair Plaza und geht über die Atlantic Avenue und Main Street zum Daytona International Speedway. Bei den Frauen gehört der Leder-BH ebenso zum Outfit wie die Lederchaps über dem Tanga. Wer noch kein Tattoo am Körper trägt kann sich in den vielen schnell aufgebauten Salons verzieren lassen. Doch sind die Veranstaltungen nicht nur in der Stadt selbst. Auch außerhalb gibt es mehrere Camps, an denen Lifemusik, Essen und Trinken geboten werden.

Und weil es so schön war und so lange hin bis zum nächsten Jahr hat man nun noch eine zweite Veranstaltung angefügt, das Biketoberfest in der 2. Oktoberhälfte. Alles läuft ähnlich ab, nur ein wenig kleiner.

Springbreak

Wet-T-Shirt-ContestBevor sich aber auch diese Nebel an Abgasen aus Daytona verabschiedet haben, rollt die nächste Welle an Besuchern auf die Stadt zu: Zehntausende Studenten zieht es ab Mitte März ins warme Florida zum Springbreak, den Frühjahrsferien, alle haben nur ein Ziel: in dieser Woche bloß nicht nüchtern werden und seine Triebe nicht nur einmal am Tag auszuleben. Die bierselige Partygemeinde stellt in der Regel jedes Jahr alles auf den Kopf und wird von den Einheimischen sehr misstrauisch betrachtet.

Hinzu kommt noch das Wochenende der Black College Reunion im April, das ebenfalls vorwiegend junge Menschen zum Feiern in die Stadt bringt. Diese Verknüpfung von Veranstaltungen wird in der ortsansässigen Bevölkerung zwiespältig gesehen. Den wirtschaftlichen Faktoren, wie zum Beispiel den Erlösen durch die zusätzlichen Besucher stehen die dauerhaften Belastungen durch Lärm, Müll, usw. gegenüber, und auch die freizügig gekleideten Mädels nicht nur beim Wet-T-Shirt-Contest sind der prüden Bevölkerung ein Dorn im Auge. Die Finanzierung der öffentlichen Einrichtungen und Institutionen (Polizei, Feuerwehr, etc.) gerät zusehends aus der Bahn. So wird in diesem Jahr das erste Mal ab der Bikeweek von den Verkäufern, die ihre Waren feil bieten, eine Registrierungsgebühr in Höhe von 300 USD verlangt.

 

                

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