Tunesien - Tunisia - Tunisie
Tunesien home

 

Zum Kamel – Marathon in Douz 1993

Here you can have this page translated:

Pour la traduction:

http://de.altavista.com/pos/babelfish/trns/

Nach einer langen, heißen Pistenfahrt liegt Douz vor mir, ein alter Karawanenposten am Nordrand des Erg Oriental. Gleich am Ortseingang sehe ich ein Camp, vor den Zelten stehen herrliche Kamelsättel, verziert mit bunten Decken, Bommeln und Lederfransen. Tuareg hier in Tunesien? Das kann doch nicht sein, die geheimnisvollen Ritter der Wüste leben in der Zentralsahara, nicht in dem kleinen Tunesien zwischen Mittelmeer und Nordrand der großen Wüste.  

Ich stoppe den Wagen und gehe hinüber zu einer Gruppe Männer in blauen Ganduras und riesigen Chechs, die in der Abenddämmerung im Kreis um ein glimmendes Holzkohlefeuer sitzen und Tee trinken. Unter den Tamariskenbäumen kann ich jetzt auch Kamele erblicken. Natürlich handelt es sich bei diesen einhöckrigen Wüstenschiffen um Dromedare, aber das sagt niemand, auch auf Arabisch heißt es Djamel. Doch diese edlen, weißen Tiere, die am Boden liegend genüsslich wiederkäuen, sind keine gewöhnlichen Kamele, wie mir Ali, ein junger Algerier, stolz erklärt. Es sind die berühmten Meharis, spezielle Reitkamele auf hohen, schlanken Beinen. Und schon zum zweitenmal treffen sich in Douz Tuareg aus Ghadames in Libyen und Ouargla in Algerien, um sich mit den Tunesiern in einem Kamelmarathon zu messen.

Ali reicht mir einen Tee. Ich wundere mich über das winzige Schnapsgläschen, doch schon nach einem Schluck, der mir durch und durch geht, weiß ich, dass man von diesem starken Gebräu nicht mehr trinken kann. Eine ganze Handvoll schwarzer Tee kommt zusammen mit Unmengen Zucker in eine winzige, bauchige Teekanne mit wenig Wasser und wird lange gekocht. Wir begutachten die Tiere, jedes hat das eingebrannte Zeichen seines Besitzers. Ich stelle mir vor, wie sie in einer langen Karawane durch die Wüste bis nach Douz gezogen sind, doch Ali lacht nur und zeigt mir die großen Lastwagen, auf denen sie ankamen. Die Tiere müssen ausgeruht sein. Er klettert auf das hohe Mehari, ohne dass dieses sich zuvor auf den Boden legt. Über Knie und Hals steigt er wie auf einer Treppe in den Sattel.

Am nächsten Morgen reiten die Tuareg leichtfüßig zur Anmeldung, dabei werden die Tiere der Konkurrenz gemustert. Ganz Douz ist in großer Aufregung. Auch Ahmed, der Onkel meines tunesischen Freundes Kamel (nein, kein Witz, er heisst wirklich so), hat ein Kamel im Rennen. Nachdem er im Vorjahr schlecht abschnitt, hat er das Tier des Siegers, eines Algeriers, gekauft und macht sich nun große Hoffnungen. Der ganze Ort fiebert mit ihm.

In kleinen Gruppen besprechen die Reiter die Marathon-Strecke. Der Kurs ist sehr schwierig, führt querfeldein über hohe Dünen. Bei einer Karawane liegt die Tagesleistung eines beladenen Tieres bei ca. 35 km, aber hier müssen 42 km in kurzer Zeit geschafft werden. Ahmed und sein Sohn, der das Mehari reiten wird, haben täglich trainiert. Sie sind stolz auf ihr weißes, algerisches Reittier, das sich deutlich von den viel dunkleren und behäbigeren tunesischen Dromedaren unterscheidet.

Dann endlich, am Nachmittag, fällt der Startschuss, 55 Tiere traben davon, die malerisch gekleideten Reiter in schwindelerregender Höhe. Ahmed ist ganz aus dem Häuschen. Wird sein Mehari es schaffen, sich gegen die beachtliche Konkurrenz durchzusetzen? Nichts hält ihn auf der Tribüne, so lade ich ihn und seine Freunde in den Wagen und wir folgen querfeldein der Strecke. Ein Kamelrennen ist nicht so schnell wie ein Pferderennen und so haben wir genug Zeit anzuhalten und Ahmeds Sohn, aber auch meinen algerischen Freund Ali anzufeuern. Doch die Libyer liegen vom Start weg auf den vordersten Plätzen und die Tunesier weit hinten. Nach der halben Strecke merke ich, wie schwierig der Kurs ist. Mein Wagen bleibt auf einer Düne hängen. Das ist zuviel für Ahmeds Nerven. Den Fahrer des Wagens, der uns herauszieht, bittet er um eine Mitfahrgelegenheit und ich will nur noch raus aus diesem Dünenmeer.

An der Tribüne angekommen, sehen wir gerade einen Algerier als erster durchs Ziel kommen. Also hatte er auf lange Sicht doch die bessere Ausdauer, er schaffte die Strecke in gut zweieinhalb Stunden. Die Libyer müssen mit Platz drei und vier vorliebnehmen, die Tunesier liegen abgeschlagen auf den hinteren Plätzen. Ahmed ist sehr niedergeschlagen, er hatte zu große Hoffnungen. Ali dagegen ist mit seinem Platz neun ganz zufrieden, mitmachen ist alles für ihn. Als wir hinüberkommen zum Camp, treffen gerade die Algerier ein. Sie singen und tanzen ausgelassen, der Abend endet in einem großen Fest. Es wird ein herzzereißender Abschied von Ali, der nur durch das Versprechen gemildert wird, ihn in Ouargla zu besuchen.

 
Home Sahara-Forum Kontakt Online-Shop