VOM
WÜSTENSAND ZUM DAHAR-BERGLAND
Matmata
mit seinen in das Kalkplateau gegrabenen Wohnhöhlen ist fester Bestandteil
jeder Südtunesien-Tour. Doch birgt das Dahar-Bergland noch viel mehr
landschaftliche und bauliche Schönheiten. Die Hügel liegen nur einige
hundert Meter hoch, die höchsten Gipfel sind der Djebel Smertene mit 713 m
und der Sidi Stout mit 689 m, doch ist es schon eindrucksvoll, wie schroff
sich die kahlen Berge von der flachen Djeffara-Steppe erheben. Die Bevölkerung
bestand, ehe die tunesische Regierung ein Programm zur Sesshaftmachung
startete, traditionell aus Nomaden, die feste Sammelspeicher zur Aufbewahrung
ihrer Lebensmittelvorräte und Wertsachen benötigten. So entstanden auf den
Spitzen der Hügel, wo sie leicht zu verteidigen waren, sogenannte Ksour
(Einzahl Ksar). Wie Bienenwaben wurden kleine Räume mit tonnengewölbten Dächern,
die Ghorfas, neben- und übereinander gebaut, jede Familie einer Sippe besaß
einen eigenen, abschließbaren Raum, der zur Aufbewahrung der Vorräte und im
Falle eines Krieges als Zufluchtstätte diente.
Heute sind die
meisten Gemeinschaftsspeicher nicht mehr in Gebrauch und verfallen. Doch
einige wurden restauriert und als sehr originelle Hotels genutzt, die ich nur
empfehlen kann (Metameur, Ksar Hadada). Der Ksar von Medenine wird von
Touristengruppen überschwemmt, in den alten Speicherräumen haben sich
Souvenirhändler einquartiert. Doch gibt es noch andere, von Besucherschwärmen
nicht überrannte Ksour in malerischer Landschaft, die das Ansehen wesentlich
mehr lohnen.
Während die Phönizier
zunächst die Küsten, später auch die fruchtbaren Landesteile im Inneren
beherrschten, war der äußerste Süden von unabhängigen Nomadenstämmen
bewohnt. Erst Anfang des 3. Jh. n. Chr. schoben die Römer ihren südlichen
Schutzwall, den Limes Tripolitanus,
der bis dahin nördlich der Chotts verlief, in dieses Gebiet vor, die 3.
Legion Augustus errichtete eine Postenkette zum Schutz der Karawanenwege
und Wasserstellen. Militärische Festungen aus dieser Zeit finden sich in Ksar
Rhilane, Bir Ghezene, El Ferch und Remada. Nach der Vertreibung der Römer
durch die Vandalen und erst recht nach dem Einfall der Araber zogen sich die
berberischen Ureinwohner in dieses schwer zugängliche Bergland zurück. Noch
heute sind die alten Traditionen und die Berbersprache im Gegensatz zum übrigen
Land erhalten. Doch die Arabisierung schreitet voran. Arbeitsplätze sind
knapp, der karge Boden kann nicht alle ernähren, die Jungen wandern in die
großen Städte ab, zurück bleiben die Alten und die Frauen.
19. DOUZ - KSAR RHILANE
¤ Entfernung: Rund 150
km.
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Strecke: überwiegend gute
Piste, für PKW nur bedingt zu empfehlen.
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Alternativroute 19.1 Ksar Rhilane – Douz querfeldein.
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Reisedauer: ein ½ Tag.
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Höhepunkte: Beeindruckende
Wüstenlandschaft mit Dünen.
Ein Ausflug in das romantische Wüstencamp Ksar
Rhilane ist jedem Reisenden mit einem geländegängigen Fahrzeug unbedingt
anzuraten. Das ist Wüste pur! Die Mitnahme von Proviant Treibstoff und Wasser
ist erforderlich, da es im Camp wenig Versorgungsmöglichkeiten gibt. Die
Strecke ist eine gute Piste, stellenweise sehr sandig, die zum Teil über die
Pipelinepiste verläuft. Trotz stellenweiser Sandverwehungen treffen immer
wieder Pkw in Ksar Rhilane ein, ich würde es jedoch - vor allem wegen des mörderischen
Wellblechs - nicht empfehlen.
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Hauptroute: Douz auf der Asphaltstraße nach Matmata verlassen. Im Frühjahr
kann man in diesem brunnenreichen Gebiet häufig Nomadenzelte sehen. km 43 Bir
Ghezene. l
Der heutige Nomadenbrunnen, auch Sidi Mohammed Ben
Aissa genannt, war in römischer Zeit Vorposten des Limes Tripolitanus und
beherbergte eine Kohorte der 3. Legion Augustus. Ruinen des antiken Vezereos sind noch unter der Erde vorhanden. Heute ist an dieser
Stelle ein kleines Wüstencafé, links geht eine Piste in 50 km nach Kebili.
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Hauptroute: Nach weiteren 7 km rechts zum etwas abseits gelegenen Café
Sahara Centre abbiegen, das an einer früher
wichtigen Pistenkreuzung liegt (N33°32’5, E09°32’1). Geradeaus auf
der alten Piste nach Matmata weiter, kurz danach rechts (SO) abbiegen nach Bir
Soltane. Auf der weiteren Strecke Wellblech und sandige Passagen. km 55
Abzweigung nach links ignorieren.
km 68 (N33°28'8, E09°41'8) Hier müsste man die breite
Pipelinepiste treffen und rechts
abbiegen. Manchmal passiert es aber, dass man zu weit nach Süden abdriftet
und eine andere, breite Piste trifft. In diesem Fall links abbiegen, kurze
Zeit später trifft man die Erdölpiste, dort nach Süden. l
Erdölpiste
- Diese breite, von Süd nach Nord verlaufende Piste dient zur Wartung der
parallel dazu unter der Erde liegenden Pipeline, die algerisches Erdöl zum
Verladehafen Skhirat bringt. Sie ist leicht an den herumliegenden schwarzen
Rohren zu erkennen. Im Jahr 1958 baten die Franzosen, deren algerische Kolonie
sich mitten im Befreiungskampf befand, Bourguiba um die Genehmigung, Erdöl
aus den algerischen Förderstellen bei El Borma mittels einer Pipeline über
tunesisches Gebiet zum Verladehafen am Mittelmeer zu befördern, um so
Sabotageakten der FLN-Partisanen vorzubeugen. Das Projekt brachte mehreren
tausend Tunesiern für drei Jahre Arbeit und Brot.
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Hauptroute: km 89 (N33°17'65, E09°44'03) An der Piste zwei kleine Cafés,
rechts geht ein Weg in 2,5 km zu dem Brunnen Bir Soltane, der das beste Wasser der Region hat. Weiter geradeaus.
km 132 (N33°03'2, E09°46'6) Rechts geht eine Piste ohne
jede Beschilderung zum Wüstencamp. Die Strecke ist sehr vom Sand zugeweht, für
Pkw-Fahrer folgt hier die Bewährungsprobe.
km 148 Man trifft, vorbei an einigen Hütten, das in einem
Tamariskenwald liegende Camp. Immer rechts entlang zum alten Camp mit einem
aus einer heißen Quelle gespeisten See (N32°59'3, E09°38'5). l
Eine Quelle mit warmem, aber nicht trinkbarem
Thermalwasser liegt in einem schattigen Tamariskenwäldchen, umgeben von
herrlichen, meterhohen Sanddünen, ein romantisches Plätzchen. An Bewohnern
gibt es nur einige Oasenbauern, Nomaden und Soldaten eines kleinen Militärstützpunktes,
die gerne zum Baden an die Quelle kommen. Sie wurde vor ein paar Jahrzehnten
bei Probebohrungen nach Erdöl entdeckt.
Zu Anfang gab es nur ein kleines Camp mit
Nomadenzelten, das den wenigen Reisenden Unterkunft bot, Verpflegung musste
mitgebracht werden. Heute hat der Massentourismus Ksar Rhilane entdeckt, am
Abend treffen ganze Karawanen von Geländewagen ein. Zwei neue Camps mit
Toiletten und warmen Duschen wurden gebaut, es gibt sogar schon richtige
Hotelzimmer. Die alte, romantische Atmosphäre ist am Verschwinden. Aber an
der Quelle oder versteckt unter den Tamarisken kann man immer noch
Einzelreisende mit ihren schweren Geländefahrzeugen sehen, die den tagsüber
stillen Platz als Treff- und Ruhepunkt lieben. Außerhalb an der Quelle kann
man kostenlos kampieren. Zwar versuchen immer wieder junge Burschen, eine Gebühr
zu kassieren, sie haben aber kein Recht dazu. Trinkwasser und Verpflegung sind
mitzubringen. Als Versorgungsmöglichkeit bleibt sonst nur, einem der Nomaden
eine Ziege abzukaufen.
Auf der Höhe vor dem Dorf ragt ein Obelisk auf, der
gerne als Landmarke genutzt wird. Er wurde zu Ehren von General Leclerc
errichtet, die Erinnerungstafel aber nach der Unabhängigkeit herausgerissen.
General
Leclerc - Held des freien Frankreichs
Leclerc, 1940 noch Hauptmann und zweimal aus
deutscher Gefangenschaft geflüchtet, wurde von De Gaulle mit der
Niederwerfung des Vichy-Apparates in den Zentralafrikanischen Staaten
beauftragt. Nach einem beeindruckenden Erfolg in dieser Mission startete er
am 25.1.1941 aus dem Nord-Tschad mit 350 Mann, 100 Fahrzeugen und einem 75
mm Geschütz zu seinem legendären 800 km Fußmarsch nach Norden und
eroberte am 1.3.1941 die Kufra-Oasen in Libyen. Von dort unterstützte er
durch Stosstruppunternehmen die 8th Army gegen Rommel, vereinigte sich mit
dieser im Januar 1943 und nahm weiter im Feldzug gegen Tunesien teil.
Montgomery setzte die wüstenerfahrene Truppe an seiner linken Flanke, also
im Süden ein. Am 10.3.1943 wurde Leclerc im Bereich der Oase Ksar
Rhilane von einer deutschen Panzerkampfgruppe angegriffen. Diesen
Angriff konnte er mit Unterstützung der Royal Airforce zurückschlagen.
Leclerc nahm später mit der nunmehr zur 2. Division
Blindée aufgewachsenen Kampfgruppe an der Landung in Frankreich und an der
Befreiung von Paris teil, seine alten Tschad-Kämpfer hissten im November
1944 auf der Straßburger Kathedrale die Trikolore und seine Kampfgruppe
stand am 8.Mai zur Kapitulation der Deutschen in Berchtesgaden in der
unmittelbaren Nähe des Obersalzberges, Hitlers ehemaliger Residenz. Diese
Operationen machten Leclerc zur Symbolfigur im Kampf Frankreichs gegen das
Dritte Reich.
Nach dem Krieg war Leclerc in Indochina stationiert,
bis er schließlich Generalinspektor der französischen Streitkräfte in
Nordafrika wurde, wo er am 28.11.1947 bei einem Flugzeugabsturz starb.
Quelle:
http://www.scorpiontrophy.de/Rommel.htm
Praktische Hinweise – Ksar Rhilane
(
Telefonvorwahl: (00216) 075
y Hotels: Alle Camps bieten Übernachtung mit Halbpension im
Nomadenzelt, aber auch Camping möglich (ab 3 TD, 04.00), alle mit
Alkoholausschank. Kameltouren von einem Tag bis zwei Wochen können
organisiert werden.
Pansea,
Tel. 900 506, http://www.pansea.com/ksar.html.
Diese asiatische Hotelgruppe hat 60 bestausgestattete Zelte mit Air Condition
und Heizung, so dass auch in der Wüste keine Unbequemlichkeit entsteht. Neben
einem Pool gibt es auch ein Solarium, unverzichtbar in der Sahara!
l’Erg, Tel. 434 108, Fax 434 017.
Le
Paradis, Tel. 470 225.
Ksar
Rhilane, Tel. 460 462. Direkt an der Quelle ist das älteste Camp, dort
gibt es ein Restaurant und eine Bar mit Alkoholausschank.
Treibstoff:
1998 wurde in der Nähe des Camp l’Erg eine Tankstelle eröffnet (mit
Preisaufschlag), sie ist aber häufig geschlossen und hat minderwertigen
Treibstoff. Wenn sie gerade keinen Treibstoff hat, kann man im Dorf am Ende
der Teerstraße Sprit erhalten (durchfragen, sehr teuer).
Ausflug zum Ksar Tisauar
Der Ksar liegt etwa 3 km westlich in den Dünen und
ist zu Fuß (im Sommer vermutlich viel zu heiß!), mit dem Kamel, aber auch
mit Geländefahrzeug querfeldein erreichbar (N33°00'5, E09°37'0). Von der
Anhöhe bietet sich ein herrlicher Blick über die Wüstenlandschaft. Das Fort
ist ein beliebtes Ziel für Motorradfahrer, die mal ohne jedes Gepäck über
die höchsten Dünen brausen wollen, ein tolles Erlebnis. Für Geländewagen
ist die Tour auf der deutlich erkennbaren Dromedarspur ohne Führer möglich,
erforderlich sind aber große Erfahrung im Dünenfahren und notfalls ein paar
Leute zum Schieben. Im Camp wird ein etwa zweistündiger Kamelritt über die Dünen
zum Fort angeboten.
An
der Festung vorbei führt eine alte Piste direkt nach Douz, siehe Route 19.1.
Auf einer kleinen Anhöhe, umgeben von den mächtigen
Sanddünen des Großen Erg Oriental, liegen, 5 km vom Camp entfernt, die Reste
des antiken Militärlagers Tisauar.
Hier, an der Südgrenze der römischen Provinz Africa, verlief der
Festungswall Limes Tripolitanus, der die Kolonie beschützen und die
Karawanenwege mit den Wasserstellen sichern sollte. Der Originalgrundriss des
von der 3. Legion Augustus im 2./3. Jh. n. Chr. errichteten Postens ist noch
deutlich zu erkennen, in der Kolonialzeit wurde das Fort von den Franzosen
genutzt. Eine Mauer mit einem einzigen, arkadenüberwölbten Tor im Westen
umschließt ein Rechteck von 30 x 40 m, die Mannschaftsräume waren direkt an
der Mauer errichtet. Im Innern ist ein Querbalken mit der römischen Inschrift
JOV OPT MAX VIC erhalten, d.h. Jovis optimus maximus victus (Jupiter, der mächtigste
und größte Sieger). Außerhalb der Mauer waren eine kleine Kapelle und
mehrere Backöfen. Stellenweise lugt unter den Sanddünen noch das Pflaster
der alten römischen Militärstraße hervor.