Last - Minute ins Abenteuer - Teil 2
Ausflug nach
Tunis über Hergla und Sidi
Djedidi
Für den nächsten Tag hatte ich mit Christa und Simone aus dem Flugzeug eine
Fahrt nach Tunis verabredet. Erster Stopp war Hergla,
wo wir den Fischern bei dem Verkauf ihres Fanges zusahen. Das malerische Städtchen
mit kleiner Medina auf einem Kalkplateau über dem Meer wurde von den
Byzantinern befestigt, von den Arabern aber wieder zerstört, die antiken Steine
über Jahrhunderte hinweg zum Hausbau verwendet. Die Moschee wurde im 18. Jh. zu
Ehren des im 10. Jh. lebenden Heiligen Sidi
Bou Mendil erbaut, von dem erzählt wird, er sei auf einem zum fliegenden
Teppich umgewandelten Taschentuch nach Mekka gepilgert. Außer vom Fischfang
leben die wenigen Einwohner vom Flechten von Körben zum Fischfang sowie Matten,
Einkaufstaschen und sonstige für Touristen interessante Dingen. Das noch vor 10
Jahren ziemlich unberührte Dorf ist heute Stopp bei Hotelausflügen von der
nahen Touristenzone.
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Weiter ging es nach Sidi Djedidi, 10
km von Hammamet entfernt. Auch das vor 10 Jahren noch ein beschauliches Nest.
Aber wir hatten das Pech, genau am Markttag einzutreffen, und das Gewimmel war
unbeschreiblich, die Touristenbusse kaum zu zählen. Entlang der Straße zum
Souk haben nun Souvenirhändler ihre Buden aufgeschlagen und es gibt das gleiche
Angebot wie in Hammamet auch. Den eigentlichen, etwas abseits liegenden Souk für
die Bedürfnisse der Einheimischen findet man vor lauter Gedränge kaum.
Aber wir waren ja nicht für den Souk hergekommen, wir wollten die römischen
und byzantinischen Überreste sehen. Vor etwa 10 Jahren war ich schon einmal
dort und fand spärliche Reste einer wunderschön auf dem Hügel über dem Fluss
gelegenen Stadt, Ausgrabungen hatten jedoch nicht stattgefunden. Das mit Mosaik
verzierte Taufbecken war sehr gut erhalten und die Inschrift eines Bodenmosaiks
verriet, dass dort ein Kirchenvorstand namens Cyprianus begraben wurde. Nun
wollte ich meinen Begleiterinnen diese Stücke zeigen. Doch in den 10 Jahren ist
viel geschehen. Es haben Ausgrabungen stattgefunden, das Gelände ist eingezäunt
und die Struktur der Stadt ist deutlich zu erkennen. Offensichtlich hat man auch
gute Mosaiken gefunden, denn an vielen Stellen ist der Boden von einer Folie
abgedeckt und mit Sand beschwert. Nur das Mosaik des Taufbeckens konnten wir
bestaunen, es hat zum Schutz vor der Witterung ein Dach bekommen. Es ist zu
erwarten, dass das Gelände eines Tages für Besichtigungen geöffnet wird.
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Die Medina von Tunis
Über die Autobahn ging es weiter nach Tunis. Der Verkehr in der Innenstadt
war wie immer zusammengebrochen. Dicht an dicht schlichen die Fahrzeuge; Parkplätze?
Unmöglich! Doch zum Glück habe ich hier einen Geheimtipp, in den Straßen
jenseits der TGM-Station ist meist noch ein Plätzchen zu bekommen. Die Sonne
scheint, ich lasse die Jacke im Wagen.
Der Bummel
durch die Medina ist ausgesprochen angenehm. Die Händler sprechen uns zwar an,
sind aber keineswegs aufdringlich. Mit vielen halten wir ein Schwätzchen. Natürlich
besteigen wir auch die herrlichen, mit Fayencen versehenen Dachterrassen einiger
Teppichhäuser, aber Fotos machen ist unmöglich, es regnet in Strömen. Es gibt
noch einen Tee und wir kommen ohne Teppich wieder aus dem Laden raus.
Der nächste Stopp ist beim Parfümhändler im Souk Attarine. Simone
schnuppert an all den schweren Naturduftstoffen und entscheidet sich für
Moschus. Im Handeln sind die Tunesien-Unerfahrenen gar nicht schlecht! Später
werden sie sogar noch einmal wiederkommen und mehr kaufen, und ehe Simone sich
versieht, ist ihre Hand mit einem Tattoo geschmückt.
Zum Ausruhen gibt es dann noch einen Pfefferminztee mit Pinienkernen in dem
mit Matten statt Stühlen versehenen Café Mrabet, in dem schon seit
Jahrhunderten in dieser Medina Tee ausgeschenkt wird.
Nun wollen wir aber zum Auto, Karthago steht auf dem Plan. Als wir die
gedeckten Souks verlassen schüttet es unglaublich und es weht ein eiskalter
Wind. Ein Taxi zum Polo wäre ideal, aber alle sind besetzt, wir kommen völlig
nass und durchgefroren am Auto an. Die Sehenswürdigkeiten von Karthago sind natürlich
auch schon alle geschlossen, aber bei dem Regen hätte es eh keinen Zweck gehabt
und wir schauen nur kurz über den Zaun.
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Ein Traum von einem Hotel über dem
alten Karthago
Auf dem Byrsa-Hügel unweit des Museums von Karthago liegt das alte Hotel
Reine Didon, in dem ich schon gewohnt habe. Für meinen Reiseführer will
ich die neuesten Infos haben. Aber was ist das? Ich erkenne das alte Gebäude
nicht wieder. Würde nicht Reine Didon über dem Eingang stehen wäre ich
sicher, falsch zu sein. Ein nagelneues kubisches Gebäude aus weißem
Carrera-Marmor steht vor mir, innen wird eifrig gewerkelt. Ich spreche einen der
Arbeiter an und er führt mich gleich zum Besitzer. Welche Überraschung, es
handelt sich um den gleichen, wohlhabenden Franzosen, der auch das Dar Cherait
in Tozeur erbaut hat. Er besitzt insgesamt sechs Hotelprojekte in Tunesien, alle
etwas ganz besonderes. Er führt uns stolz durch sein Haus, das in wenigen
Wochen eröffnet wird, als "Hotel de Charme" wird es nur die
Superreichen beherbergen, das Restaurant wird von dem französischen Sternekoch Alain
Ducasse betrieben werden. Erschaffen wurde ein Traum aus weißem, schwarzen
und grauem Marmor, in einem minimalistischen Design, ein harter Gegensatz zu dem
überschwänglichen Dekor orientalischer Prachtbauten. Und das alles auf dem Hügel
über Karthago. Es gibt nur 10 jeweils unterschiedlich eingerichtete Suiten, wir
besichtigen eine, in deren Schlafzimmer auf erhöhtem Podest eine marmorne Wanne
steht, von der man den Blick über die ganze Bucht von Tunis hat. Wie schade,
dass ich mir diese Preisklasse nie werde leisten können.
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Auf den Spuren der Maler Macke und
Klee in Sidi Bou Said
Weiter geht es nach Sidi Bou Said, es dämmert schon, als wir in dem
maurischen Künstlerstädtchen mit seinen weißen Häusern und blauen Balkonen
ankommen. Auch hier geht es zunächst zur Hotelbesichtigung, von denen es ja im
Ort nur wenig gibt. Das Hotel Bou Fares,
immer ein einfaches Hotel für Rucksacktouristen, hat ein wenig modernisiert und
bietet nun schöne, fayencengeschmückte Zimmer mit eigenem Bad an, die sich um
einen blumenbepflanzten Innenhof gruppieren. Hier kann man sehr angenehm für
nur 20 TND im Doppelzimmer mit Frühstück übernachten. Eine Reservierung ist
notwendig, da die 10 Zimmer immer gut belegt sind, kein Wunder, ist das Bou
Fares doch die einzige bezahlbare Übernachtungsmöglichkeit im Ort.
Mein Lieblingshotel war früher immer das Hotel
Dar Said, eine alte maurische Villa mit wenigen Zimmern in einem blühenden
Garten, in dem man morgens das Frühstück einnahm und über die Bucht von Tunis
blickte. Dieses Hotel gehörte zum Hotel Majestic in Tunis, es war recht
preiswert, bot nicht viel Komfort, die sanitären Anlagen waren einfach. Nun
wurde es jedoch verkauft und vollkommen renoviert, eine Hammam hinzugefügt und
die Zimmer teils als Suiten hergerichtet. Mir erscheint der Preis von 225 TND für
ein Doppelzimmer mit Frühstück allerdings zu hoch, es scheint jedoch eine
Nachfrage dafür zu geben.
Natürlich wurde der Besuch des Künstlerortes mit einem Tee im Café des Nattes
abgeschlossen, in dem vor genau 90 Jahren schon die Maler August Macke und Paul
Klee gerne bei einer Chicha ausruhten und den Eingang des Cafés mit dem ihn überragenden
Minarett der Moschee auf ihren Bildern unsterblich machten.
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Hotel Bou Fares in Sidi Bou Said
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Café des Nattes
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Fünf Frauen
auf dem Weg in die Wüste, und zwei werden entführt
Der Mittwoch brachte schrecklichen Sturm, das Meer
peitschte seine Wellen gegen den Strand, Sonne und Strand konnte man an diesem
Tag vergessen, wie gut, dass für den Tag eine Fahrt in die Wüste geplant war.
Christa und Simone wollten mit, aber auch Nadine und Angela, die ich in meinem
Hotel kennen gelernt hatte, schlossen sich an. Die drei schlanken Mädels fanden
auf dem Rücksitz unseres treuen Polos genug Platz. Die Route führte von Sousse
über Kairouan, Gafsa, Tozeur zum Chott el Jerid mit Übernachtung in Douz. In Kairouan
ließ ich meinen Schäfchen nur 15 Minuten Zeit für einen kurzen Bummel und das
obligatorische Foto mit dem armen Kamel im Bir Barouta, denn immerhin mussten
wir 500 km an diesem Tag bewältigen. Kurz hinter Kairouan machte es dann zisch,
zisch, rechts ran, der Reifen war total zerfetzt. Die vier Frauen dachten schon,
oh je, nun ist die Reise zu Ende, aber wenn ich alle Reifenwechsel zählen
wollte, die ich schon in Nordafrika gemacht habe ... Nach 15 Minuten ging es
weiter, länger dauerte es jedoch im nächsten Ort. Der Reifen war nicht mehr zu
reparieren und die netten Jungs taten alles, um einen neuen Pneu aufzutreiben,
was dann auch gelang. 112 TND waren weg.
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Eingang zur Medina von Kairouan
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Das Kamel im Brunnen Bir Barouta hat keinen leichten Job
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Ohne
weitere Zwischenfälle kamen wir nach Gafsa, aber die römischen Becken waren
eine Enttäuschung. Das Wasser entleert, das Gelände verdreckt, keine kleinen
Jungs, die von den hohen Palmen gegen ein Bakschisch ins Wasser springen. Aber
es war auch kalt, windig und regnerisch. Im Bergarbeiterstädtchen Metlaoui überfiel
uns dann der Hunger und wir bekamen in einem winzigen Lokal den besten Couscous
seit langem für nur 3 TND.
Auch in Tozeur hielt uns der kalte Wind von einer
Kutschfahrt durch die Oase ab, im Polo war es doch wärmer. Aber den Zoo musste
ich meinen Begleiterinnen zeigen, wo das arme Kamel tagein, tagaus gefärbtes
Wasser aus einer Colaflasche trinkt. Der Skorpion wohnt in einer
Marlboro-Schachtel, die Warane umarmen sich und die Schlangen fühlen sich
feuchtkalt an, wenn man sie plötzlich um den Hals gelegt bekommt. All das
findet seit Jahrzehnten gleich statt, wenn auch der Zoo de Paradis heute ein
etwas größeres Gelände hat und die Tiere gepflegter aussehen. Nur der alte Löwe
hinter seinem niedrigen Zaun, über den man zum Streicheln steigen konnte, lebt
schon lange nicht mehr, der mächtige Löwenherr von heute mit seiner Dame sieht
ein wenig gefährlicher aus. Löwen sind in Tunesien allerdings schon seit
Anfang des 20. Jh. ausgestorben.
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Fahrt über den gefährlichen Salzsee
Weiter geht es auf der Dammstraße über den Salzsee Chott
el-Jerid, die erst Anfang der
80er Jahre gebaut wurde. Früher konnte das Chott nur weit umfahren oder von
Kennern auf gefährlichen, schlammigen Pisten überquert werden. Diese werden
noch heute von Sandrosensuchern oder Offroadfahrern genutzt. Wir können kaum
aus dem Wagen aussteigen, so stark ist der Wind. Es ist auch sehr viel Wasser
auf der Salzkruste, eine Fahrt auf der Piste über den Salzsee wäre um diese
Jahreszeit sicher nicht möglich. Selbst die Souvenirhändler haben ihre Stände
verlassen. Nun hat man kleine Hügel im See angehäuft und ziemlich kitschig
geschmückt, zu denen man teils mit Ruderbooten fahren muss, alles natürlich,
um wieder eine Einnahmequelle mehr zu haben. Aber es ist natürlich tatsächlich
schöner, wenn man die Salzfläche von einer höheren Plattform überblicken
kann.
Wir halten noch kurz bei den versteinerten Dünen von Fatnassa vor dem weißen
Marabout, die immer wieder faszinieren, bevor wir im Dunkeln in Douz
ankommen. Im Hotel 20 Mars finden wir einfache Zimmer mit Bad, die Nacht für
zwei im Doppelzimmer 20 TND inklusive Frühstück. Das Hotel hat einen schönen
Innenhof, der im Sommer sicher sehr angenehm ist und alles ist sauber.
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Chott el Jerid
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Die versteinerten Dünen von Fatnassa
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