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Last-Minute ins Abenteuer - Teil 3

März 2004

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Besuch bei Freundenn in Ghelissia

Doch ausruhen ist nicht, ich möchte noch meine Freunde in Ghelissia besuchen, einem kleinen Dorf vor den Toren von Douz. Dies ist die Heimat des ehemals nomadisierenden Adhara-Stammes, der von der arabischen Halbinsel einwanderte. Die Familien haben noch immer ihre Esel, Ziegen und Schafe, die tagsüber auf den Sandstraßen vor den Häusern frei herumlaufen.

Wir sind zu Gast in einem typischen Haus auf dem Land, ein großer, quadratischer, von einer Mauer umgebener Innenhof, am Rand dann die einzelnen Räume, Küche, einen für die Eltern sowie einen für jeden verheirateten Sohn. Es ist März, die Zeit, wenn die kargen Dornbüsche in der Wüstensteppe um Douz zarte grüne Spitzen bekommen. Dann packen viele der älteren Bewohner, die längst in Steinhäusern mit Wasser und Strom leben, ihre Zelte sowie ihre Ziegen, Schafe und Kamele und ziehen wie einst ihre Väter hinaus in die Wüste und bleiben, bis die Sommerhitze das letzte Grün verbrennt. So ist auch nur der Großvater und eine der Schwiegertöchter zu Hause, die anderen sind in der Sahara. Wir werden eingeladen, sie dort zu besuchen.

Zuvor müssen wir jedoch noch das neue Haus von Ali, dem ältesten Sohn, besichtigen. Als erster hat der Bankangestellte mit der Tradition gebrochen, bei den Eltern zu wohnen, und für seine Familie ein schönes neues Haus gebaut, von der Bauweise her auch nur für eine Familie bestimmt. Aus seinen Töchtern, die ich vor sechs Jahren das letzte Mal sah, sind junge Damen geworden, die sich sofort mit unseren drei Mädels anfreunden und sich gegenseitig ihre Sprache beibringen. Der Abschied ist herzzerreißend, am liebsten sollen wir alle fünf dort schlafen, eine tunesische Familie kommt auch mit einem Überraschungsbesuch in dieser Zahl klar, aber wir wollen doch lieber in unser Hotel.

 

Markttag in Douz

Dort erleben wir die kälteste Nacht, die man sich vorstellen kann. Drei schwere Decken auf meinem Bett halten mich nicht vom Zittern ab und mit schlafen ist nicht viel. Nur die heiße Dusche am Morgen erwärmt mich ein wenig. Kein Wunder, dass Simone und ich bald einen schönen Schnupfen haben. Draußen ist schon seit dem frühen Morgen Leben, Donnerstag ist Marktag in Douz. Von weit her kommen die Bewohner, um wieder für eine Woche Lebensmittel, Obst und Gemüse einzukaufen oder eines ihrer Tiere zu verkaufen. Auch unser Großvater ist hier, kauft Vorräte für seine Familie in der Sahara ein und wir werden ihn später im Zelt finden, wie er auch immer dorthin gekommen sein mag.

Zunächst muss ich meinen Damen jedoch noch El Hofra, die große Düne von Douz, zeigen. Zu ihren Füßen sitzen zwei junge Burschen stolz auf ihren Araberhengsten, sie laden die Mädels ein, auch einmal aufzusteigen. Dann geht es blitzschnell, ohne Steigbügel steigen die Jungs mit einem Satz jeweils vom Hinterteil des Pferdes auf und galoppieren mit Simone und Angela davon. Werden wir sie jemals wiedersehen?

Aber natürlich ist das nur ein Trick von den Beiden, um Geld zu verdienen. Erst mit 5 TND geben sie sich zufrieden, ein Kamelritt von einer Stunde hätte nur 2,500 TND gekostet. Aber das sind halt die Fallen, in die jeder Tunesienreisende nicht nur beim erstenmal tappt, das gehört einfach dazu.

Souk in Douz Entführung in der Sahara

Zu Besuch bei Nomaden

Nun wollen wir aber endlich zu unseren Nomaden. Wir haben genaue Instruktionen bekommen, wo ihr Zelt zu finden ist. Die Straße nach Matmata, noch vor wenigen Jahren als Piste nur mit Geländefahrzeugen machbar, ist heute gut asphaltiert. Schon nach einigen Kilometern sehen wir in einiger Entfernung auf der Wüstensteppe etliche Zelte von Halbnomaden, Vollnomaden ohne festen Wohnsitz gibt es in Tunesien kaum noch. Dieses Semi-Nomadenleben ist nicht ohne Komfort. Über eine gute Piste wird das Trinkwasser herangefahren, nur für das Brennholz laufen die Frauen kilometerweit, hacken die knorrigen Dornbüsche mit ihren Wurzeln aus der Erde und tragen riesige Ballen auf dem Rücken zum Zelt. Der dicke Teil gibt die Glut für das Kochfeuer, die dürren Zweige das Licht am Abend. Die Herden gehen tagsüber - oft unbeaufsichtigt - auf Nahrungssuche und kommen vor der Dämmerung zurück. Sie werden in einem Pferch aus Dornbüschen angebunden, um sie vor wilden Tieren zu schützen.

Brot backen im Sand

Nach 40 km finden wir unser Zelt in einer weitgestreuten Gruppe von fast 10 Zelten. Und obwohl wir nicht angekündigt waren, ist auch hier ein Besuch von fünf Personen kein Problem. Die Schwiegertochter stellt sofort einen Topf auf das Feuer und kocht uns ein Mittagessen, unsere Mädels bekommen eine Schale mit Erbsen zum Auspulen vorgesetzt. Die Großmutter knetet aus Mehl, Salz und Hefe einen Brotteig, den sie in einer mit einem Tuch abgedeckten Schale gehen lässt. Inzwischen bereitet Sohn Tahar ein Feuer aus trockenen Büschen. Nachdem sich eine Glut gebildet hat, wird diese beiseite geräumt, der Teigfladen in die heiße Sandkuhle gelegt und mit der Glut abgedeckt. Von Zeit zu Zeit klopft Tahar mit dem Stock auf das Brot, um zu testen, ob es schon fertig ist und klopft dann Asche und Sand von der harten Kruste, fertig. Auch das Fleischgericht ist inzwischen gar und wir sitzen alle um die große Schale und tupfen mit den Brotstückchen die köstliche Soße auf, es schmeckt prima.

Wo ist mein schönes Höhlenhotel?

Weiter geht es nach Matmata, wo ich immer gerne im Höhlenhotel Matmata, einer authentischen Höhlenwohnung, übernachtet habe. Die Zimmer waren einfache, in das Erdreich gegrabene Höhlen, in einem Extragebäude waren kollektive Toiletten und Duschen untergebracht, das Restaurant in einem großen Höhlenraum servierte immer nur köstlich duftenden Couscous. Welch ein Schock, als ich vor dem nagelneuen Zweisternehotel stand und von den alten Höhlen keine Spur mehr fand. Auch sonst hat sich Matmata in den sechs Jahren sehr verändert, die meisten Höhlen sind verlassen und nur einige zur Besichtigung für die Touristen hergerichtet worden. Dagegen sind viele feste Häuser entstanden, und der Blick über Matmata, der früher kaum Wohnhäuser zeigte, sondern nur die tiefen Löcher der Wohnhöhlen, zeigt heute fast ein Dorf wie jedes andere. Schade. Nur das Höhlenhotel Sidi Driss hat die alten Räume behalten, aber das wohl auch nur, weil es zum Mekka der Star-Wars-Fans wurde, wurden doch hier Teile der Filme gedreht. Wohnen tut man dagegen im neuerbauten Hotel Kousseila des gleichen Besitzers.

Autobahn zur Speicherburg

Doch wir wollen auch noch eine andere Bauweise des Südens erleben, die Speicherburgen oder Ghorfas. Eine Zweitagesfahrt in den Süden ist natürlich zu kurz, um wirklich die ganze Schönheit der Wüste und die Daharberge zu erleben, aber zumindest bis Metameur können wir es schaffen. Früher war die Strecke bis dort teilweise mit löchrigem Asphalt bedeckt, teils gut befahrbare Piste, es müsste für unseren tapferen Polo zu schaffen sein. Doch auch hier die Überraschung, eine neue Teerstraße breit wie eine Autobahn. Flott fuhren wir dahin und wurden nach 15 km gebremst, hier waren noch die Bagger zugange. Es gab einige Grundberührungen, die Mädels schrieen auf, aber wir kamen durch und bald gab es wieder Asphalt. Kurz vor Toujane, dem reizvoll an einen Berghang geklammerten Ort, dann wieder Ende des Asphalts. Kein Wunder, denn die schmale Piste durch den Ort, auf einer Seite eng von Häusern umgeben, auf der anderen ein tiefer Abgrund, dürfte kaum zur Autobahnbreite auszubauen sein. Das Ergebnis würde ich mir gerne mal auf einer späteren Reise ansehen.

Das Ghorfahotel von Metameur

Danach gab es wieder besten Asphalt bis zur Hauptstraße bei Metameur. Dort betrieb Hachim Drifi vor Jahren sein von Offroadern gern besuchtes Ghorfahotel. Aber auch diese Anlage ist dem Drang der Touristen nach Luxus zum Opfer gefallen. Eine Speicheranlage dient in früheren Jahrhunderten den nomadisierenden Stämmen als sicherer Aufbewahrungsort von Vorräten und Dokumenten, die Räume waren nicht etwa zum Wohnen da. Es gibt noch eine Reihe von solchen Anlagen in den Daharbergen, viele zerfallen, einige auch sehr gut erhalten und noch benutzt. Sie lagen meist etwas erhöht an gut zu verteidigenden Stellen, so dass nur wenige Männer zur Bewachung notwendig waren. Hachim hatte die einfachen Räume etwas hergerichtet, alles schön weiß getüncht und bot auf einfachen Pritschen eine Übernachtungsmöglichkeit. Nun kann man das nicht mehr genießen, auch nicht den guten Couscous von Hachims Frau zum Abendessen, die Farbe ist abgebröckelt und Hachim verdient nur noch wenige Dinar durch die Besichtigung der Ghorfaanlage und Anbieten eines Tees. Nur Wohnmobile können noch in dem großen Innenhof über Nacht stehen. Die für das ehemalige Hotel errichteten Sanitäranlagen sind in einem sehr schlechten Zustand.

Inzwischen war die Sonne untergegangen und damit unsere Besichtigungstour zu Ende. Nun war es an mir, die 350 km nach Sousse zurückzufahren. Nur einmal gab es noch eine Unterbrechung, als ich meine vier Damen bat, die Augen fest zu schließen. Und als sie sie dann öffneten standen wir nachts um 23 Uhr vor den mächtigen Mauern des Kolosseums aus römischen Tagen. Es ist schon eindrucksvoll, wie es sich von den kleinen Straßen und Häusern des heutigen El Jem abhebt, viele Nummern zu groß für den unscheinbaren Ort. Doch bestand hier in römischer Zeit ein großer Reichtum durch den Export des kostbaren Olivenöls nach Rom. Schade, dass man das Gebäude in der Nacht nicht anstrahlt, aber meine Damen staunten dennoch beeindruckt.

Habib Bourguibas Grabstätte

Den letzten, nun endlich sonnigen Tag verbrachte ich dann allein mit Christa in Monastir, dem Geburtsort von Habib Bourguiba, dem ersten tunesischen Präsidenten. In seiner Regierungszeit hat er schon immer besonders für seine Heimat gesorgt, die Stadt ist auch heute noch unverändert sauber und gepflegt, mit schönen Anlagen versehen. Einzige Veränderung ist, dass nun, nach Bourguibas Tod im Jahr 2000, sein schon zu Lebzeiten errichtetes Mausoleum für Besucher geöffnet ist. Neben seinem Sarkophag und Grabstellen der Familienmitglieder werden auch persönliche Gegenstände von ihm gezeigt, wie sein Schreibtisch mit Telefon, einen von Ronald Reagan geschenkten Kugelschreiber sowie Kleidungsstücke. Eine offizielle Eintrittsgebühr gibt es nicht, dagegen Wächter, die für ein Trinkgeld herumführen.

Auch der Ribat ist einen Besuch wert, schon wegen der berückenden Aussicht auf das Cap Monastir, das sich von seinem Turm bietet. Hier wurden schon viele Filme gedreht, die berühmtesten vielleicht "Das Leben Christi" und das "Das Leben des Brian".

Christa und ich beschlossen die Reise mit einem köstlichen Menü im Hafenrestaurant, während sich die Mädels in Sousse vergnügten.

Tunesien, wir kommen wieder!

 

Monastir Mausoleum Habib Bourguiba
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