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Imilchil  - Zum Moussem bei Imilchil im Hohen Atlas (1994)

Im 8. Jh. n. Chr., als arabische Reiterstämme nach Nordafrika vordrangen, um die Lehre Mohammeds zu verbreiten, war Sidi Ahmed Lmaghni ins Atlasgebirge zu dem wilden Berberstamm der Ait Haddidou gekommen. Er verkündete nicht nur den Islam, sondern war vor allem mit einem gottesfürchtigen Leben einKamelmarkt Vorbild und wusste bei allen Problemen guten Rat. So machte er sie auch mit dem Tauschhandel bekannt, der ermöglichte, im Überfluss produzierte Waren gegen dringend benötigte einzutauschen. Zum Andenken an diesen Heiligen treffen sich bis heute die Angehörigen der Ait Haddidou im kleinen Dorf Agda, um vor seinem Grabgebäude, dem Marabut, einen gigantischen Markt mit allen Dingen des täglichen Lebens abzuhalten, mit Autoreparaturdiensten, Zahnziehern, Restaurants in Nomadenzelten sowie einem riesigen Viehmarkt mit Kamelen, Maultieren, Eseln, Schafen und Ziegen. Der Zeitpunkt Ende September fällt in die günstige Zeit nach der Ernte und vor dem harten, schneereichen Winter, der eine Anreise selbst für Maultiere unmöglich machen würde.

TanzDie verschiedenen Stammesfamilien führen ihre typischen Tänze und Gesänge auf einem mit roten Teppichen ausgelegten Podium vor der eindrucksvollen Kulisse der majestätischen Viertausender auf. Die mit dicken Bernsteinketten geschmückten Haddidou-Frauen stehen Seite an Seite und wiegen sich mit rhythmischem Klatschen, die in weiße Spitze gekleideten, dunkelhäutigen Frauen aus dem Dra-Tal wirbeln zu den Schlägen der mächtigen Trommel.

Ideal ist ein solchen Treffen für die oft noch nomadisierenden, weit auseinanderlebenden Stämme nicht nur zur Versorgung vor dem Winter, ideal ist auch die Möglichkeit, einen Ehepartner zu finden. Die kollektiven Eheschließungen am zweiten Tag des Festes haben ihm deshalb den Namen "Fest der Verlobten" eingebracht. Eine Legende besagt, dass einst ein Mädchen der Ait Yassa ihren Auserwählten von den Ait Brahim wegen einer Stammesfehde nicht heiraten durfte und die Tränen der beiden unglücklich Verliebten die Seen vor Imilchils Toren bildeten. Seitdem genießen die schönen, hellhäutigen Mädchen des Hohen Atlas eine größere Freiheit als im übrigendie Bräute warten Land, Scheidungen sind üblich, eine Frau dadurch nicht weniger geachtet. Die jungen Mädchen und Frauen schlendern in ihrem schönsten Sonntagsstaat, die Gesichter mit roter und gelber Farbe bemalt, die glutvollen Augen mit schwarzem Khol umrandet, in Grüppchen über den Markt, flirten selbstbewusst mit den Männern, eine sonst im islamischen Marokko undenkbare Freiheit. Der reiche Silberkopfputz dient nicht nur dazu, dem künftigen Ehemann zu gefallen, sondern soll den von den Berbern gefürchteten "Bösen Blick" vom Gesicht auf diesen Schmuck ablenken.

Doch der Ehepartner wird auch hier vom Vater ausgesucht, die Fäden werden schon lange vor dem Fest gesponnen. Am Morgen des zweiten Tages bilden sich vor dem Marabut zwei Grüppchen: Die Bräutigame in weißer Djellabah auf der einen, die kichernden, fein herausgeputzten Mädchen, begleitet vom Vater, auf der andern Seite. Alles wartet gespannt auf die Ankunft des Gouverneurs, der persönlich die Heiratsurkunde aushändigen wird. Militär in Paradeuniform steht bereit, Blumenmädchen breiten Bänder in Landesfarben über den Weg, Folkloregruppen spielen, als die erwartete Regierungskarawane mit Geländewagen eintrifft. Jetzt geht alles ganz schnell, die Paare treten einzeln vor, die Urkunde wird überreicht, der nicht immer ganz junge Ehemann übergibt dem Kadi den Brautpreis, einzige Absicherung der Ehefrau im Fall einer Scheidung. Die eigentliche Hochzeitsfeier wird später im Kreis der Familien nachgeholt.

Das Leben ist in dieser abgeschlossenen Bergwelt nicht gerade leicht. Auf den Frauen lastet die ganze Arbeit im Haus und auf dem Feld. Wasser holen, kilometerweit für knorrige Dornbüsche, dem einzigen Brennmaterial in den kahlen Bergen, laufen, Felder hacken, kochen, Kinderbetreuung, Waschen und Spinnen der Schafwolle, Weben aller Kleidungsstücke, während die Aufgabe der Männer lediglich darin besteht, im Frühjahr den Acker zu bestellen und mit den Schaf- und Kamelherden auf die Weiden zu ziehen. Die übrige Zeit verbringen sie damit, gemütlich in einer ruhigen Ecke zu liegen und ihr Pfeifchen zu rauchen. Auch heute noch ist kaum eine Veränderung, ein Aufbruch in moderne Zeiten, festzustellen. Die Eltern schicken ihre Kinder nur ungern zur Schule aus Angst, dass die alten Strukturen aufgeweicht werden. Es gibt eine Bergschule mit einem Direktor, einem Lehrer und einem Schüler. Als der Bürgermeister den Eltern eine Strafe von 50 Dirham androhte, wenn sie ihre Kinder nicht zur Schule schickten, war am nächsten Morgen der Platz vor der Schule voll! Aber nicht mit Schülern, sondern mit Eltern, 50-Dirham-Scheine in der Hand.

Lac de Tislit

Nur wenige Kilometer außerhalb von Imilchil liegt der Lac de Tislit. Eine alte Sage berichtet, dass ein Mädchen der Ait Yassa ihren Auserwählten vom Stamm der Ait Brahim wegen einer Stammesfehde nicht heiraten durfte. Die Tränen der beiden unglücklich Verliebten bildeten je einen See. Die Ait Haddidou schwimmen nicht in dem See, sie glauben, dass böse Geister die Schwimmer in die Tiefe ziehen. Der Untergrund ist zwar schlammig, aber Touristen baden darin und sollen noch am Leben sein. Seit dem Jahr 1974 tritt dort ein seltenes Phänomen auf, der See wechselt seine Farbe. Immer in den ersten zwei Juliwochen leuchtet der See plötzlich in einem grellen Türkisblau, danach wechselt die Farbe zu Flaschengrün. In der übrigen Zeit ist die Farbe blau, manchmal jedoch fast weiß.

Am Seeufer findet im Oktober ein kleines Moussem mit Musik und Tänzen statt, es werden Schafe geschlachtet. Vor dem See zweigt eine Piste entlang eines Hauses zu einem zweiten See, dem Lac de Isli (9 km, N32º13.1, W05º33.0), ab. Die beiden Namen der Seen bedeuten Braut und Bräutigam.

Übernachtung in Imilchil 

 Chez Bassou, Centre Imilchil neben Postamt, Tel./Fax 023 – 44 24 02, www.chezbassou.com. Das kleine Hotel ist einfach eingerichtet, aber sauber. Die Küche wirbt mit Produkten aus biologischem Anbau. Der sympathische Inhaber Bassou ist auch als Bergführer zugelassen. Es gibt 10 Zimmer mit privatem Bad sowie 5 Zimmer mit Kollektivbad. Dies ist das ordentlichste Hotel am Ort. HP 170 DH pro Person.

   
 
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