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Ait Benhaddou

Mehrere Kasbahs aus rotbraunem Stampflehm ziehen sich malerisch den Hang jenseits des Oued Mellah hinauf, überkrönt von einer alten Festung und begrenzt von einem mächtigen Tor, das allerdings eigens für den Film "Sodom und Gomorrha" errichtet wurde, den Orson Wells hier in den 50er Jahren drehte. Auch heute wird der prächtige Ksar oft als Kulisse genutzt, z.B. für die Filme "Das Geheimnis der Sahara" und "Die letzte Versuchung Jesu". Überhaupt stolpert man im südlichen Marokko auf Schritt und Tritt über Filmteams, nahezu jede Kasbah wurde schon auf Zelluloid gebannt. Wo sonst kann man eine so mittelalterliche Welt mit einer so guten Infrastruktur finden?

Ait Benhaddou lag an der wichtigen Karawanenstraße, die das Dra-Tal und das Tafilalet mit Marrakech verband, und erlebte eine wirtschaftliche Blütezeit, die zu Ende ging, als während der Protektoratszeit die neue Asphaltstraße in einer Entfernung von 10 km gebaut wurde. Überlieferungen zufolge sollen an dieser Stelle bereits im 1. Jh. n. Chr. Juden gesiedelt haben, deren Nach­fahren bis zur Unabhängigkeit noch dort lebten. Die Gründung des heutigen Ksar geschah im 12. Jh. durch die Ait Aissa, im 19. Jh. erlangten die Glaoui-Paschas die Kontrolle über die wichtige Zollstation. Der Reiz des Ortes wurde bereits in der französischen Kolonialzeit gepriesen, im Jahre 1972 wurde eine Asphaltstraße von der P 1 gebaut, die auch Bustouristen den Besuch des Dorfes ermöglicht. Bald aber begann der Exodus der Bewohner, die auf der anderen Seite des Flusses wegen der besseren Erreichbarkeit und der für eine Expansion günstigeren Fläche den neuen Ort Issiwid errichteten.

1987 wurde Ait Benhaddou von der UNESCO in die Liste der schützenswerten Baudenkmäler aufgenommen und Gelder für die Restaurierung bereit gestellt. Die alten Gebäude sind jedoch weiterhin in Privatbesitz, was eine Restaurierung erheblich erschwert. Die eigens für die Durchführung der Restaurierung gegründete Cerkas (Centre de Réhabilitaion des Kasbahs du Sud) mit Sitz in Ouarzazate kann da wenig ausrichten, konnte sie doch nicht einmal die illegale Errichtung eines Restaurant- und Boutiquenkomplexes südwestlich des alten Ksar verhindern, die das historische Bild stark beeinträchtigt. Nur die Moschee sowie einige Wohntürme am Fuße des Hangs wurden provisorisch und nur an der Fassade restauriert, große Teile des Ortes sind in einem bedauernswerten Zustand.

Da die Einnahmen aus dem Tourismus nur wenigen zugute kommen, ist im Dorf eine von Neid und Missgunst geprägte Stimmung entstanden, die auch der Besucher, der über Nacht bleibt, leicht spüren kann. Der Besitzer von La Kasbah beherrscht den Ort und schöpft den Rahm ab. Er behindert seine Konkurrenten, torpediert die Errichtung einer dörflichen Gemeinschafts-Stromversorgung und baute seinen Pool ohne behördliche Genehmigung. Dem Besitzer, dem die vier unteren Wohntürme gehören, und der noch in Ait Benhaddou wohnt, wird der Umzug nach Issiwid verweigert. Die neu Hinzugezogenen beklagen, dass man sie ausgrenze und ihnen die Nutzung des Gemeinschaftsbrunnen und der Stromversorgung aus dem Generator verweigere. 

Tipps zur Besichtigung

Vor dem Hotel La Kasbah ist ein großer Parkplatz. Von dort geht ein gepflasterter und von Boutiquen gesäumter Weg zum Fluss, der meist über eine Furt gut zu überqueren ist. Bei hohem Wasserstand ist die Überquerung des Oueds nur auf Maultieren möglich. Auf der anderen Seite das Eingangstor östlich umgehend gelangt man zur Hauptstraße des Ksar. Dort warten Führer, die etwa 30 - 50 DH verlangen, der Besuch ist jedoch gut alleine möglich. Einer der unteren Wohntürme wird vom Besitzer gegen ein Trinkgeld vorgeführt. In der Hochsaison kommen bis zu 60 Busse täglich in das kleine Dorf, ich empfehle den Besuch am frühen Morgen.

Wer nicht den das Dorf und die Touristeneinnahmen dominierenden Besitzer des Hotels La Kasbah unterstützen will, kann auch bei der an der Straße nach Tamdakht gelegenen kleinen Auberge Etoile Filante d’Or parken. Von dort geht ein Weg in 5 Minuten zum Ksar, und hier gibt es auch weniger lästige Souvenirverkäufer.

 

 
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