|

| |
Rabat
|
Die Hauptstadt Marokkos liegt am linken Ufer
des Bou Regreg und ist zusammen mit der Schwesterstadt Salé auf dem gegenüberliegenden
Ufer mit 1,6 Mio Einwohnern zweitgrößte Stadt des Landes, in Rabat
alleine wohnen 652.000 Menschen. 1912 durch Marschall Lyautey als
Verwaltungshauptstadt bestimmt, verlegte der Sultan seinen Sitz von Fes
nach Rabat. Auch heute noch sind die Regierung, alle Ministerien,
Verwaltung, Universität und ausländische Botschaften dort untergebracht.
Das Wirtschaftszentrum Marokkos jedoch ist Casablanca.
Bummel in der Medina
|
|
Die zwischen Meer und Oued Bou Regreg gelegene Medina ist an
drei Seiten von der 5 km langen Almohadenmauer umschlossen, die außerdem
auch noch einen Teil der Neustadt umgibt. Die Gebäude wurden jedoch zum
größten Teil zu Anfang des 17. Jh. von maurischen Flüchtlingen aus Spanien
errichtet, die die Medina nach Süden durch die andalusische Mauer
abgrenzten.
Eine Besichtigung beginnt man am besten an der Kreuzung
Avenue Mohammed V mit dem Boulevard Hassan II, der Neu- und Altstadt
voneinander trennt. Hinter der kleinen Markthalle mit einem bunten Angebot
zweigt rechts die Hauptstraße der Altstadt, die Rue Souika, ab. Hier
gibt es Waren des täglichen Bedarfs, Lebensmittel, Schuhe, Textilien, keine
Souvenirs. Auf der rechten Seite folgt bald der Merinidenbrunnen (1),
der schönste der vielen Brunnen in der Altstadt von Rabat. Danach folgt die
Große Moschee aus dem 14. Jh., die aber Ende des 19. Jh. völlig neu
gestaltet wurde. Vor der Moschee ist rechts ein Marabut mit kleinem Garten.
In dem Garten sitzen meist einige Frauen und es scheint so zu sein, dass
diese dort sitzen, weil der Marabut ihnen irgendwie helfen kann. Außerdem
lebt in diesem Garten eine riesige Katzenfamilie, sie besteht aus mindestens
50 Katzen. Diese werden nicht nur geduldet, sondern auch gut gefüttert, wenn
sie auch trotzdem unter allerlei Krankheiten leiden. Auf dem kleinen Platz
vor dem Garten stehen häufig behinderte Menschen sehr unterschiedlicher Art,
entweder körperlicher Art wie Verkrüppelungen oder sie leiden an
Krankheiten. Und diese Leiden stellen sie dort
zur
Schau, um damit Almosen zu sammeln.
Noch vor der Moschee zweigt links, parallel zur Avenue
Mohammed V, die Rue Sidi Fatah ab, die Straße der Juweliere, in der sich
mehrere islamische Heiligtümer befinden. Das schönste ist die Zaouia Ben
Aissa (2) mit der Moschee Moulay Mekki. Als Verbindung zwischen den
beiden ist über der Straße ein Dach mit wunderschönen Holzschnitzereien und
-malereien. Der Eingang zur Moschee ist gekachelt, der Bogen holzgeschnitzt.
Zaouia Ben Aissa
Nach diesem kleinen Ausflug geht man zweckmäßigerweise
wieder zur Rue Souika zurück, weiter geradeaus würde man bei einem Marabut
auf den Boulevard Laalou und die Oudaias-Kasbah stoßen. Die Rue Souika geht
in den mit Schilfrohrmatten überdachten Souk Es Sebat über, in dem
vor allem Lederwaren und traditionelle marokkanische Handwerkserzeugnisse
verkauft werden, am Ende einige Schmuckhändler. In der Fortsetzung zum Fluss
gibt es frischen gebratenen Fisch, an der Kasbahmauer ist ein kleiner
Flohmarkt. Der Rundgang biegt jedoch vorher links ab in die Rue des Consuls,
heute die Straße der Teppichhändler. Im 18. Jh. war hier der Sitz der
europäischen Konsuln, die die Sultanstadt Fes nicht betreten durften. Der
fanatische Abd-er-Rahman verbannte sie dann ins noch entferntere Tanger.
Dort ist eine Moschee mit einem vierbogigen Brunnen. Dieser Souk ist von
einem wunderschönen Kuppeldach aus Schmiedeeisen und Glas überkrönt. |
 |
 |
| |
|
Am Ende dieser Straße stößt man auf die Tarik al-Marsa mit
lebhaftem Autoverkehr. Auf der hiesigen Seite sind Tischlereien, die
wunderschön verzierte Holzmöbel herstellen und verkaufen. Jenseits liegt die
Oudaias-Kasbah (3) aus der Almohadenzeit, umgeben von einer
zinnenbewehrten Mauer, einer der sehenswertesten Orte von Rabat. Durch das
etwas unterhalb gelegene, kleine Mauertor kommt man direkt zu dem Palast
Moulay Ismails mit dem Andalusischen Garten. Ein Spaziergang in
diesem kleinen, zinnenummauerten Garten mit seinen vielen Blumen,
Springbrunnen und kleinen Wasserläufen ist vor allem auch bei den
Einheimischen sehr beliebt, nicht zuletzt bei den Liebespaaren. Junge Leute
spielen am Abend oft Musik.
In der ehemaligen Residenz von Moulay Ismail ist das
Museum für Marokkanische Kunst (4), das Volkskunstmuseum und das für
Musikinstrumente untergebracht, mit ausführlichen Sammlungen von Schmuck,
Musikinstrumenten, Teppichen, Koranschriften und Trachten (Museum für
Marokkanische Kunst, 8.30 - 12, 14.30 - 18 Uhr, Tel. 037 - 73 15 37).
Vom Garten führt ein Seitentor zu einem der schönsten
maurischen Cafés von Rabat mit Aussichtsterrasse zum Fluss. Von diesem Café
führen Treppenstufen hinauf durch die malerische Rue Bazo mit
nagelverzierten Eingangstoren zur Rue Jamaa, die vom mächtigen Eingangstor
der Kasbah quer durch die alte Stadt führt. Vorbei an der ältesten Moschee
(12. Jh.) Rabats gelangt man zur Semaphore Terrasse mit einem
herrlichen Ausblick auf den Atlantik und den islamischen Friedhof von Salé.
Treppenstufen führen hinunter zum etwas zu kurz geratenen Piratenturm.
Dieser Ort ist auch bei den Einwohnern sehr beliebt am späten Nachmittag,
weil sich von dort wunderschön der Sonnenuntergang bewundern lässt. Neben
dem Piratenturm ist das hübsche Restaurant La Caravelle mit
Aussichtsterrasse und Blick über den Fluss nach Salé, unterhalb ist der im
Sommer viel besuchte Strand von Rabat.
Zurück geht es wieder über die Rue Jamaa zu dem monumentalen
Torbau mit reichen Reliefverzierungen, den man besteigen kann. Davor ist der
Alte Wollmarkt, ein kleiner Platz, auf dem früher nicht nur Wolle, sondern
auch Sklaven verkauft wurden, die die Piraten von ihren Beutezügen
mitbrachten. Dieser Wollmarkt existiert noch heute, ist aber etwas weiter
gezogen. Von der Kasbah aus gleich gegenüber den Boulevard Laalou bis zum
Ende mit dem Bab Laalou gehen. Dort sind auch heute noch etliche Geschäfte,
die die frisch geschorene Schafwolle verkaufen.
|
Hassanturm
Geht
man von der Kasbah aus am Fluss entlang, gelangt man vorbei am Museum
für Alte Kunst zur Place Sidi Makhlouf mit dem Hotel Safir. Nahe
dabei liegt der schon von weitem sichtbare Hassanturm.
Er sollte das Minarett der Großen Moschee werden, die Yacoub el-Mansour
um 1190 begann, nach seinem Tod wurde der Bau abgebrochen. Das große
Erdbeben von 1755 zerstörte einen Teil der Überreste. Der Turm ähnelt
dem der Koutoubia-Moschee in Marrakech und der Giralda in Sevilla. Der
Grundriss mit den Überresten der Säulen ist deutlich erkennbar und lässt
die riesigen Dimensionen erahnen.
|
Mausoleum
von Mohammed V
Hinter
dem Hassanturm liegt das Mausoleum von Mohammed V, der das Land in die Unabhängigkeit führte.
Neben der überreich ausgeschmückten Grabanlage (1967) aus weißem
Carrara-Marmor ist eine Moschee und ein kleines Museum. Vor jedem der vier
Portale ein Gardesoldat in malerischer Uniform mit weißem Umhang. Hier
sind auch König Hassan II sowie sein Bruder Moulay Abdillah bestattet.
Die Grabstätte kann tagsüber kostenlos besichtigt werden und die schön
uniformierten Garden lassen sich gerne ablichten. |
|