Spät abends kam
ich in M'hamid (Süd-Marokko) an,
dort wollte ich die Hotels und die vielen neu errichteten Auberges für eine
neue Ausgabe meines Reiseführers besichtigen und am nächsten Morgen die
Piste nach Foum Zguid über den Lac
Iriki fahren, natürlich allein, wie immer. Im Hotel Ghizlane lernte ich
jedoch Abdul kennen, der eine Agentur betreibt und Dromedarausflüge
organisiert und der gerade nichts zu tun hatte. Spontan beschlossen wir, die
Tour gemeinsam zu machen. Er wollte ziemlich früh starten, denn auf der
Strecke gibt es 15 km Fech-Fech, und das kann man nur im Kühlen schaffen. Ich
habe zwar schon viele tausend Kilometer Pisten hinter mir, meistens allein,
und von Fech-Fech hat ja schon so ziemlich jeder gehört, aber so recht
vorstellen konnte ich's mir nicht.
Um sechs ging es
also los. Gleich hinter Mhamid sind kleinere Sanddünen zu überqueren, na,
wenn das alles ist, das ist doch kein Problem. Das schafft mein Wagen. Dann
tischeben bis zur "Heiligen Oase", eine süße kleine Dattelpalmenoase mit
einer plätschernden Quelle. Ein Tee, und schon geht es weiter zu den Dünen
von Chegaga. Nach einem Tee mit
Naji, der ein kleines Biwak dort betreibt, stellt mir Abdul die entscheidende
Frage: Riskieren wir den Fech-Fech, immerhin ohne ein zweites Fahrzeug zur
Hilfe, oder fahren wir wieder zurück und machen einen Umweg? Naja, zurück
will ich nie gerne. Ein Chauffeur mit schweren Toyota betrachtet meinen
Galloper etwas mitleidig und meint, mit dem Wagen? Nie! Die Entscheidung war
nicht leicht, aber sie fiel pro Fech-Fech. Jetzt wollte ich doch endlich
wissen, was daran so gefährlich sein soll. Es war meine Tour, den Wagen zu
fahren, als wir gegen 10 Uhr im Oued anlangten, das so harmlos aussah mit
seinen Tamarisken und Wolfsmilchbäumen, richtig lauschig, Und diese kleinen
Sandhubbel, das soll alles sein? Ich war noch keine 5 Kilometer gefahren, als
ich in alter Pilotengewohnheit die Instrumente scannte. Oh je, was war denn
mit dem Kühler los? Der kochte ja. Gleich ein hartes Plätzchen suchen und
anhalten, Mistauto dieses, ist wohl der Kühler kaputt. Und das hier weitab
von jedem Ersatzteillager. Also eine gute halbe Stunde warten, bis sich das
ganze wieder beruhigt. Motor starten - komisch, die Wasserpumpe arbeitet -,
daran kann es nicht liegen. Diesmal versucht Abdul sein Glück, kommt aber
genau
wie ich nie in mehr als den zweiten Gang und das Auto schnauft ganz schön.
Geschickt kurvt er um die Dünen, und dennoch, keine 2 km und das Wasser kocht
schon wieder. Also schnell ein schattiges Plätzchen unter Tamarisken suchen
und warten. Inzwischen ist es fast Mittag und die Hitze steigt. Immerhin ist
Juni und das Thermometer steht schon auf über 40 Grad. Bei der dritten Pause,
diesmal haben wir nur einen Kilometer geschafft, gibt es erst mal ein Picknick
mit Brot, Käse und Tee. Mein Galloper kann sich erholen, bevor es weitergeht.
Mal sind es 2, dann 3 km bis zur nächsten Rast, aber schließlich haben wir
die 15 km geschafft, mit 7 Pausen in knapp vier Stunden. Und sobald wir wieder
normalen Untergrund erreichen - dazu zählen sogar die kleinen Sanddünen, die
sich anschließen - kühlt sich der Motor sofort wieder ab. Das ist eben das tückische
an dem Fech-Fech, der feine Sand verbunden mit dem ebenso feinen, trockenen
Schlamm des Oueds, zieht die Räder nach unten und der Motor hat unendliche Mühe,
voranzukommen.
Danach ging es über
den Lac Iriki, dieser trockene See ist tischeben und man kann mit rasender
Geschwindigkeit darübersausen. Gegen 3 Uhr kamen wir in Foum Zguid an.
Nach einer Pause
beschlossen wir, noch am gleichen Tag zurückzufahren. Es war klar, dass wir
unterwegs übernachten mussten, aber ich hatte eine komplette Zeltausrüstung
dabei. Die Piste geht nördlich vom Lac Iriki zur kleinen Oase
"Zaouia Sidi Abd en Nebi", die einzige Siedlung in dieser weiten
Wüste, und die wollte ich schon immer einmal sehen. Auf dem Weg dorthin sagte
Abdou, dass die Bewohner des Ortes den „Bösen Blick“ hätten. Jedes Mal
wenn jemand in den Ort komme, hätte er danach ein Problem. Das ist natürlich
nur ein dummer Aberglaube. Wir wurden nett empfangen und zum Tee eingeladen.
Andere Dorfbewohner kamen dazu und zum Abschied hinterließ ich noch einige
Geschenke für die Familie.
Wieder auf der
Piste wollte ein Nomade mitgenommen werden, aber leider hatten wir keinen
Platz. Er sagte, dass seit einer Woche kein Auto vorbeigekommen wäre. Nach 12
km hatten wir eine Reifenpanne. Wir wechselten das Rad und ich wollte gleich
unser Nachtlager aufschlagen, die Sonne war schon untergegangen. Aber Abdou
meinte, in nur 25 km sei die Heilige Oase, dort könnten wir komfortabler übernachten.
Also weiter durch die Nacht. 8 km vor der Oase die 2. Reifenpanne, aber einen
weiteren Ersatzreifen hatten wir nicht. Was tun? Schließlich brach Abdou zu
Fuß auf, ohne zu wissen ob er in der Oase Hilfe finden würde. Ich richtete
mich neben dem Auto für die Nacht ein, nicht ohne eine Flasche Rotwein und Nüsse,
es war eine herrliche sternenklare Vollmondnacht.
Um viertel nach
Eins dann Lichter in der Ferne, Abdou kam mit einem Landrover. Er war zu dem
Militärposten gegangen, der hatte per Funk ein Fahrzeug aus Mhamid
angefordert, und die brachten sogar ein Ersatzrad mit den nötigen 6 Löchern
mit. Gegen morgen kamen wir dann in Mhamid an und erzählten noch lange von
unserem Abenteuer. Was nun wirklich mit den Bösen Blick ist, ich weiß es
nicht.
Hier kann
eine solche Wüstentour gebucht werden.
Sahara
Services, Abdelkhalek
Benalila, Tel. (00212) 061 – 77 67 66, Fax 024 – 84 80 26. Email:
saharacamel@hotmail.com, www.saharaservices.info
Für
Touristen mit Mietwagen, die eine Pistentour in die Wüste mit ihrem Fahrzeug
nicht machen können, ist die Mietung eines Landrovers interessant, der bis zu
6 Passagiere aufnehmen kann. Eine schöne Tour geht zur „Oasis
Sacrée“ sowie den Dünen von Chegaga,
die gut 50 km Piste sind hin und zurück in einem Tag zu schaffen, aber viel
schöner ist es, am Nachmittag aufzubrechen und in einem Biwak zu übernachten
(siehe auch den Bericht einer solchen Tour) oder
einen Ausritt mit einem Kamel zu unternehmen. Der Preis ist Verhandlungssache
und richtet sich nach den besonderen Wünschen, ist aber auf höchstens 100
- 125 EUR pro Tag für einen Landrover inklusive Sprit und Fahrer begrenzt,
Übernachtung separat. Vorherige Reservierung bei Abdou ist erforderlich.
Es werden
auch individuelle Rundreisen von 1 oder 2 Wochen angeboten, die Touristen
können am Flughafen Marrakech oder Agadir abgeholt werden.
Preis auf Anfrage.
Emails
bitte nur in englisch oder französisch
