Die seit Jahrhunderten wichtige Karawanenstation
auf dem Weg nach Timbuktu hat heute im Zeitalter der geschlossenen Grenzen
und der Lastwagen nicht mehr die gleiche Bedeutung (78.800 Einwohner),
Karawanen aus dem Inneren Afrikas gibt es nur noch in den Märchen der
„Falschen Führer“. Die alte Bedeutung ist aber noch in dem Warensortiment
der Läden zu erahnen, nirgendwo kann man die blauen Gandoras und über fünf
Meter langen Chechs aus Mali und Mauretanien in größerer Auswahl kaufen als
hier, aber heute sind sie kaum noch mit Indigo sondern mit synthetischen
Farben gefärbt.
Indigo, dieser uralte Farbstoff, färbt auf die Haut
ab, daher stammt der Name der "Blauen Männer". Die Beliebtheit der blauen
Farbe hat wohl viel mit der Vorstellung zu tun, dass Blau allein schon vor
dem "Bösen Blick" schützt, sei es als Wandfarbe, als Keramikfliese, als
Kleider- oder heutzutage als Autofarbe. Färbt ein blaues Kleidungsstück die
Haut, würde sich dieser Vorstellung gemäß der Schutz übertragen - und alle
Indigostoffe, wie sie in der Sahara getragen werden, färben stark ab! In der
Westsahara wurden die blauen Stoffe selbst nie hergestellt, sondern kamen
schon seit alten Zeiten aus dem Westsudan.
Die luftigen, weiten "klimatisierten" Hosen werden
in allen Farben und Formen angeboten, wobei gute Qualität ihren Preis hat.
Auch Batikstoffe sind in großer Auswahl zu finden. Mit viel Glück ist noch
alter Tuareg-Schmuck zu ergattern.
Sehr häufig bezeichnen sich die Einwohner von
Guelmim als Tuareg. Allerdings gibt es die echten Tuareg nur in der
Zentralsahara von Algerien, Niger und Mali, nicht in Marokko. Bei den
richtigen Blauen Männern handelt es sich um Reguibat, ein
Sahara-Kamelnomaden-Stamm.
Nur bei Festen oder auf Bestellung für eine
Touristengruppe kann man den für diese Region typischen Tanz - die Guedra
- sehen. Eine tiefverschleierte Frau kniet bewegungslos auf dem Boden. Zu
den Klängen von Trommelmusik beginnen ihre Bewegungen, zunächst nur die
Hände, mit zunehmendem Rhythmus auch Arme und Oberkörper. Die Musik wird
immer schneller, die Tänzerin erhebt sich und schließlich fällt der
Schleier, ihr Gesicht kommt zum Vorschein, die Frau tanzt bis zur Raserei.
Kamelmarkt
- Jeden Samstag findet an der Straße nach Tan Tan der berühmte Kamelmarkt
statt, auf dem auch heute noch Kamele gehandelt werden. Eine Zeitlang kamen
Touristenbusse aus Agadir in Scharen, doch ist es zum Glück wieder ruhiger
geworden. Dennoch versuchen einige Souvenirhändler auf dem großen, für Tiere
vorgesehen Platz, ihr Geschäft zu machen. Interessanter sind die Gaukler,
Musiker, Tänzer und Quacksalber, die wie in alten Zeiten die Nomaden
unterhalten.
Das Angebot richtet sich in erster Linie an die
Bewohner der Umgebung. In gesonderten Bereichen gibt es Lebensmittel,
Kleidung, Werkzeug, Matten, sogar Zeltbahnen für Nomadenzelte werden von den
Frauen selbst angeboten. Der traditionelle Esels- und Kamelparkplatz musste
den Lastwagen und Taxis Platz machen.